Neurodermitis + Tätowierungen

Einem Schönheitsideal nachjagen, die eigene mit Kunstwerken verzierte Haut zeigen oder eine Lebenseinstellung signalisieren: Die Beweggründe, warum Frauen und Männer sich mehr oder weniger gelungene Tattoos stechen lassen, sind so verschieden wie die Körperschmuck-Motive selbst. Allerdings verbindet alle ein gewisses gesundheitliches Risiko.

Neurodermitiker - insbesondere diejenigen, die zu Allergien neigen- sollten auf Tätowierungen verzichten. Denn nicht selten enthalten Tattoo-Farben Metalle wie Chrom (festgestellt in einigen grünen Farbstoffen), Kobalt (blau), Kadmium (gelb) oder Quecksilber (rot), die bei Neurodermitikern mit einer allergischen Veranlagung sofort oder auch erst nach langer Zeit eine negative Reaktion auslösen können.
Patienten mit Neurodermitis, die aber unbedingt ein Tattoo haben möchten, sollten sich von ihrem Hautarzt beraten lassen und um einen Allergietest hinsichtlich Tätowierungsfarben bitten.

„Think before you ink!“

Auf gesundheitliche Risiken von Tätowierungen und deren Entfernung weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hin:

Tätowierungen können mit unerwünschten Wirkungen wie Infektionen, Narbenbildung oder allergischen Reaktionen verbunden sein. Zudem sind gesundheitliche Langzeitwirkungen der Tätowiermittel, die unter die Haut eingebracht werden, möglich. Aber auch die Entfernung von Tattoos ist nicht ohne Risiko: Seit einiger Zeit werben Anbieter verstärkt mit Verfahren, in denen flüssige Tattoo-Entferner verwendet werden. Dabei handelt es sich um Lösungen, die in der Regel 40-prozentige L(+)-Milchsäure enthalten, und ebenso wie die Tätowiermittel unter die Haut gespritzt werden. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind Fälle gemeldet worden, in denen nach der Anwendung flüssiger Tattoo-Entferner unerwünschte Wirkungen aufgetreten sind. In einigen Fällen kam es zu schweren Entzündungsreaktionen der Haut mit Narbenbildung. Eine Alternative zur chemischen Tattoo-Entfernung ist der Einsatz von Lasertechnik. Hierbei ist bislang allerdings ungeklärt, welche chemischen Verbindungen bei der Behandlung entstehen und welche unerwünschten Wirkungen von diesen Verbindungen ausgehen können. „Angesichts der gesundheitlichen Risiken sollten Verbraucherinnen und Verbraucher sich sehr gut überlegen, ob sie sich ein Tattoo stechen lassen“, so Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Wer sich für ein Tattoo oder dessen Entfernung entscheidet, sollte sich vorher möglichst umfassend über die eingesetzten Mittel und Verfahren informieren und sich von fachkundigem Personal behandeln lassen.

Beim Tätowieren werden Farbpigmente per Nadeln in die Haut eingebracht, so dass kleinste Wunden entstehen. Diese sind Eintrittspforten für Keime, die zu infektiösen Reaktionen führen können. Es kann an der Wunde selbst zu Infektionen kommen, aber auch zu systemischen Infektionen (nicht nur auf eine Körperregion beschränkt), da krankmachende Keime ins Blut gelangen können. Erreger werden über nicht sterile Arbeitsgeräte, die Haut des Tätowierten oder des Tätowierers, aber auch über kontaminierte Tätowiermittel in die Wunde eingetragen.
Bei immungeschwächten Personen besteht ein erhöhtes Risiko für eine Infektion oder eine verlangsamte Wundheilung. Aus Sicht des BfR sollten Tätowierungen bei Personen, die Antibiotika nehmen oder unter immunsuppressiver Therapie (Unterdrückung der Abwehrkräfte) stehen, nicht oder nur nach ärztlicher Beratung vorgenommen werden, ebenso bei Vorerkrankungen des Herzens, Diabetes oder Blutgerinnungsstörungen. Dies gilt auch für Schwangere.

Quellen:
1. Allgemeine BfR-Informationen zum Thema Tätowierungen:
2. Infektionsrisiken durch Tätowierungen: BfR-Stellungnahme Nr. 017/2014, Februar 2014,

Über das BfR:
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

 

Das meint die Stiftung Warentest

2014 schickte die Stiftung Warentest zehn Tätowier­farben zur Unter­suchung ins Labor. Das Ergebnis: An allen Farben im Test gibt es etwas zu kritisieren. In sechs Farben wiesen die Tester Inhaltsstoffe nach, die krank machen oder für Allergiker gefährlich werden können. Zwei Farben enthielten giftige poly­zyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).
Das Fazit der Tester lautete: „Keinesfalls tätowieren lassen sollten sich Patienten mit Kreislauferkrankungen und Neurodermitiker, Bluter, Immun- und Abwehrgeschwächte sowie Schwangere und Stillende.“

Quelle: Bericht der Stiftung Warentest.

(Die Stiftung Warentest wurde 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestages gegründet, um dem Verbraucher durch die vergleichenden Tests von Waren und Dienst­leistungen eine unabhängige und objektive Unterstüt­zung zu bieten.)

 

Bundesamt weist auf Risiken hin

Auch das Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beschäftigt sich mit Risiken des Tätowierens und hat etliche Seiten mit Informationen unter anderem zu Tätowiermitteln und rechtlichen Regelungen veröffentlicht.


Das Bundesamt rät unter anderem:

  • Lassen Sie spontane Tätowierungen im Urlaub aus: die Freude daran ist meist nur von kurzer Dauer.
  • Im Falle von Hautreaktionen kann Ihr Urlaub schnell zu Ende sein – insbesondere, wenn unsauber gearbeitet wurde oder keine ausreichenden Informationen zu den verwendeten Tätowierfarben und Inhaltsstoffen vorliegen.
  • Frische Tätowierungen sollten nicht der direkten Sonne und auch nicht gechlortem Badewasser oder Salzwasser ausgesetzt werden. Diese Einschränkungen und die benötigte Pflege der durch die Tätowierung entstandenen Wunde muss bei den geplanten Urlaubsaktivitäten berücksichtigt werden. 
Besser zweimal überlegen und gut beraten lassen.
  • Eine Tätowierung begleitet Sie ein Leben lang – überlegen Sie gut und lassen Sie sich nicht aus einer Laune heraus tätowieren! 

  • Nach einer Tätowierung können Gesundheitsprobleme wie Entzündungen, Fieber und Juckreiz auftreten, die in einzelnen Fällen auch anhalten können – wägen Sie die Risiken gut ab. 

  • Prozeduren zur Entfernung von Tätowierungen sind derzeit noch langwierig und kostspielig, Folgen der Entfernung sind noch nicht abschätzbar.
  • Stellen Sie sicher, dass ein Profi am Werk ist - Tätowierer ist kein offizieller Ausbildungsberuf.
  • Äußern Sie so konkret wie möglich Ihre Motiv-Wünsche. Ein Tätowierer, der Sie als Verbraucher ernst nimmt, tätowiert nicht bei Ihrem ersten Besuch, sondern erst nach eingehender Beratung zu Risiken und gesundheitlichen Aspekten.
  • Sauberkeit hat höchste Priorität! Achten Sie z. B. auf Einmalverpackungen für Farben, die Verwendung von sterilem (nicht destilliertem!) Wasser zur Verdünnung, Sauberkeit bei Ausstattung und Personal.
  • Der Tätowier-Profi kennt seine Tätowiermittel und deren Bestandteile und weiß, dass diese gewissenhaft und hygienisch einwandfrei hergestellt wurden.
  • Farbstoffe von Tätowiermitteln können allergische Reaktionen hervorrufen – auch dann, wenn dieser Farbstoff bereits zuvor in Tätowierungen verwendet wurde und keine Reaktion hervorgerufen hat.
  • Bei allergischen oder anderen unerwünschten Wirkungen sollte ein Arzt bzw. Hautarzt aufgesucht werden.
  • Hände weg von Selbstversuchen!

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit