Mit Muttermilch Neurodermitis vorbeugen

Muttermilch ist die ideale Ernährung in den ersten Lebensmonaten. Deshalb ist die beste Form der Ernährung für Säuglinge das ausschließliche Stillen. Auch Teilstillen ist wertvoll. Das belegen etliche Studien. Demnach gilt das Stillen bis zum 6. Lebensmonat, ohne Zufütterung von Fremdeiweißstoffen, als beste Vorbeugung gegen allergischen Erkrankungen und auch gegen Neurodermitis

Deshalb empfehlen Kinderärzte und Allergologen, Säuglinge mindestens vier, möglichst sechs Monate ausschließlich zu stillen. Dies gilt insbesondere für Nachwuchs von Eltern mit Allergiebelastung.
Sollte das Stillen mit Muttermilch nicht möglich sein, können alternativ allergenarme Muttermilchersatzprodukte mit dem Zusatz HA (hypoallergen) gefüttert werden. Weitere Informationen zu HA-Produkten siehe unten.
Grundsätzlich bedürfen Säuglinge – Kinder im ersten Lebensjahr – eine besondere Ernährung wegen ihres hohen Energie- und Nährstoffbedarfs, ihrer Bewegungsentwicklung (neuromotorische Entwicklung) und einiger noch nicht vollständig ausgereifter Verdauungs-, Stoffwechsel- und Ausscheidungsfunktionen. Ebenso muss das Immunsystem noch reifen.


Besonderheiten der Muttermilch:

  • enthält alle wichtigen Nährstoffe (Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine), die Säuglinge für ein gesundes Gedeihen brauchen
  • passt sich den wachsenden Nahrungsbedürfnissen des Säuglings während der Entwicklung an
  • leicht verdaulich
  • einziges Nahrungsmittel, das körpereigenes Eiweiß enthält, gegen das keine Allergie entwickelt werden kann. Allerdings ist Muttermilch nicht völlig frei von Allergenen. Denn Spuren aller Lebensmittel, so auch Allergene, können aus der Nahrung der Mutter in die Milch übergehen. Dieser frühe Kontakt des Kindes mit minimalen Mengen an Allergenen ist ein natürlicher Vorgang, der normalerweise dazu führt, dass sich das Immunsystem des Kindes langsam an fremde Eiweiße gewöhnt und diese zu tolerieren lernt.
  • enthält bestimmte Immunfaktoren, die den Aufbau des kindlichen Immunsystems unterstützen und die Ausreifung der Darmschleimhaut fördern
    Muttermilch fördert die Besiedlung der Darmflora mit einem hohen Anteil an gesundheitsfördernden Bifidusbakterien, die unter anderem die natürlichen Abwehrmechanismen des Darms verstärken.
  • enthält LCP/LCPUFA-Fettsäuren (langkettig, mehrfach ungesättigt), unter anderem wichtig für die Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Sehvermögen. Wichtige Fettsäuren für eine gesunde Entwicklung sind beispielsweise Arachidonsäure (AA) und Docosahexaensäure (DHA): Beide gehören zur Klasse der Omega-3-Fettsäuren.
  • enthält besondere Abwehr- und Schutzstoffe, die eine verminderte Anfälligkeit der Sprösslinge für Infektionen Krankheiten, z. B. Durchfall und Mittelohrentzündung, bewirken
  • bewirkt eine eine langfristige Prägung des Immunsystems, so dass Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Zöliakie (Entzündung der Schleimhaut des Dünndarms aufgrund einer Überempfindlichkeit des Körpers gegen das besonders in Getreide und Getreideprodukten vorkommende Gluten) bei gestillten Kindern später weniger häufig auftreten.
  • einen optimalen Zeitraum mit Muttermilch ernährte Kinder neigen im späteren Alter weniger zu Übergewicht als nicht oder nur kurz gestillte Säuglinge
  • Muttermilch ist zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar
  • hat immer die richtige Temperatur
  • hygienisch einwandfrei
  • kostenlos
  • Muttermilch im Badewasser soll gut für die Haut des Kindes sein: Trockene oder raue Hautstellen können ebenfalls mit ein paar Tropfen eingerieben werden.
  • Stillende Frauen haben gegenüber nichtstillenden Frauen gesundheitliche Vorteile (raschere Gebärmutterrückbildung nach der Geburt, Risikominderung für Brust- und Eierstockkrebs).
  • Stillen kann zur Förderung der emotionalen Bindung zwischen Mutter und Kind beitragen.


Unterschiedliche Muttermilch

Nach der Geburt des Kindes bilden die mütterlichen Brustdrüsen für zwei bis drei Tage die sogenannte Vormilch (Kolostrum), danach die Übergangsmilch und schließlich ca. zwei Wochen nach der Geburt die reife Muttermilch.

Vormilch:
Cremig und stark gelblich. Sie ist besonders reich an Eiweiß, Vitaminen und Abwehrkörpern gegen Infektionen, die das Immunsystem des Neugeborenen anregen. Gleichzeitig ist sie leicht verdaulich. Durch das Stillen mit der Vormilch wird der Darm des Kindes angeregt. Der erste Stuhlgang ist von schwarzer Farbe und wird deswegen oft auch „Kindspech“ genannt.

Übergangsmilch:
Spätestens ab dem vierten Tag nach der Geburt verändert sich die Milch. Sie wird nun zum Stillen in wesentlich größerer Menge in der Brust produziert (Milcheinschuss). Die Übergangsmilch ist cremig-sahnig.

Reife Muttermilch:
Gegen Ende der zweiten Lebenswoche des Säuglings ändern sich nochmals die Zusammensetzung und das Aussehen der Milch. Nun wird die reife Muttermilch gebildet. Sie besteht zu rund 90 Prozent aus Wasser und enthält etwa 6 Prozent Milchzucker (Laktose). Weitere Bestandteile sind andere Zucker, Lipide (Fette), Proteine (Eiweiß). Doch neben den bekannten Molekülen enthält die Milch einen individuell unterschiedlichen Mix aus Hunderten weiterer Substanzen, die zum Teil in so geringer Menge vorhanden sind, dass sie nur mit extrem empfindlichen Messmethoden identifiziert werden können.

Quelle: https://www.rund-ums-baby.de/stillen/stillzeit_muttermilch.htm

Ernährung der Mutter:

Laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) „gibt keine Hinweise, dass der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel der Mutter in Schwangerschaft oder Stillzeit das Risiko für Neurodermitis beim Kind beeinflusst. Deshalb gibt es keinen Grund, vorsorglich auf Nahrungsmittel wie Eier oder Kuhmilch zu verzichten.“ Auch spezielle Diäten helfen nicht, um einer Allergie bei Sprösslingen vorzubeugen. Rauchen während der Schwangerschaft und Stillzeit gilt dagegen als Risikofaktor, ebenso klimatische Bedingungen und psychische Faktoren.
In der Stillzeit benötigt der Körper der Mutter viel Energie, es sollte also auf eine Gewichtsabnahmen während der Stillzeit verzichtet und auf eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung geachtet werden.

Ernährung des Babys ab dem 6. Monat:

Nach dem sechsten Lebensmonat kann sogenannte Beikost gefütterte werden. Empfohlen wird, die neue Nahrung einzeln und im Abstand von mehreren Tagen zu geben, um kontrollieren zu können, welche der neuen Lebensmittel das Kind verträgt und welche nicht.
Im ersten Lebensjahr sollte das Kind keine Kuhmilch trinken und keine Kuhmilchprodukte essen. Hochallergene Nahrungsmittel wie Fisch, Eier, Nüsse und Zitrusfrüchte erst nach dem ersten Geburtstag anbieten.

HA(hypoallergene)-Nahrung:

Babys benötigen HA-Nahrung, wenn Elternteile oder Geschwisterkinder eine Allergie haben und die Mutter ihr Kind nicht oder nicht ausschließlich stillen kann.In hypoallergener Säuglingsnahrung ist das darin enthaltene Milcheiweiß bereits aufgespalten, um so Potenzial zur Auslösung einer allergischen Reaktion (Allergenität) zu senken. Entscheidend für die allergiepräventive Wirkung der HA-Nahrung ist die Art der Zerkleinerung des Milcheiweißes, d. h. es muss an den richtigen Stellen aufgespalten werden. Hierin unterscheiden sich die verschiedenen HA-Nahrungen. Damit ist auch ihr vorbeugender Effekt sehr unterschiedlich. Allergiegefährdeten Kindern sollte deshalb grundsätzlich nur geprüfte HA-Produkte gegeben werden, deren allergievorbeugende Wirkung in kontrollierten klinischen Studien belegt ist. Auskunft dazu erteilen u.a. Apotheken.

Weiter unten auf dieser Seite finden Sie Informationen zu einer Langzeitstudie zum Einfluss frühkindlicher Ernährung auf die Entwicklung von Allergien.

Soja kein Ersatz

Laut Website des Vereins Deutsche Haut- und Allergiehilfe sind Produkte mit Sojaeiweiß, die als Ersatz zu tierischem Eiweiß angeboten werden, nicht zu empfehlen. Auch die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin weist darauf hin: „Säuglingsnahrungen auf der Basis von Sojaeiweiß oder Ziegenmilch sind nicht zur Allergievorbeugung geeignet; ebenso wenig Stuten- oder andere Tiermilchen.“

Quellen:
Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Nationale Stillkommission beim Bundesamt für Risikobewertung
https://www.rund-ums-baby.de/stillen/stillzeit_muttermilch.htm
http://www.kinderarzt.at/de/lexikon/subject/neurodermitis/
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Langzeitstudie: Allergie-Risiko geht durch Babys Magen

Fotocredit: PhotoAlto Baby care

Vier Monate hypoallergene Ernährung: Zwanzig Jahre geringeres Risiko für Neurodermitis

Vier Monate hypoallergene Ernährung: Zwanzig Jahre geringeres Risiko für Neurodermitis. So werden in einer Pressemitteilung des Vereins  Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA)  die aktuellen Ergebnisse der weltweit größten Untersuchung zum Einfluss frühkindlicher Ernährung auf die Entwicklung von Allergien (GINI-Studie*) zusammengefasst. Dabei gilt laut DHA: „Hypoallergen“ allein reicht nicht.

Nicht jede hypoallergene (HA)-Säuglingsnahrung ist gleich gut zur Allergievorbeugung geeignet. Das haben bereits die Zwischenergebnisse der GINI-Studie nach 5, 10 und 15 Jahren gezeigt. Die abschließende Auswertung nach 20 Jahren bestätigt diese Erkenntnis. Dabei hat so genanntes partielles Molkenhydrolysat die Nase vorn, also HA‑Säuglingsmilch auf Kuhmilchbasis, bei der die potenziell allergenen Eiweißbereiche nur teilweise aufgespalten wurden: Es reduziert im Vergleich zu herkömmlicher Säuglingsnahrung das Risiko, bis zum zwanzigsten Lebensjahr an Neurodermitis zu erkranken, um 41 Prozent. Erstmals zeigt die Studie auch einen deutlichen Effekt von partiellem Molkenhydrolysat auf das Asthmarisiko: Im Zeitraum zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr erkrankten 56 Prozent weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Asthma als in der Vergleichsgruppe.

*Die GINI-Studie (German Infant Nutritional Intervention) ist eine Langzeitbeobachtung von Kindern, die ein erhöhtes familiäres Risiko für eine spätere allergische Erkrankung haben und aus zwei Regionen Deutschlands stammen (München und Wesel jeweils mit Umgebung).Ziel der GINI-Studie war es zunächst zu untersuchen, ob mit der frühkindlichen Ernährung die Entwicklung allergischer Erkrankungen beeinflusst werden kann sowie darüber hinaus den natürlichen Verlauf atopischer Erkrankungen (Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis) zu beobachten. Aus Kindern wurden junge Erwachsene und weitere Forschungsthemen kamen hinzu – wie zum Beispiel seelisches Befinden, Lungenfunktion, Ernährung, Gewicht und körperliche Aktivität.

An der Auswertung nach 15 Jahren nahmen 2252 Kinder mit erhöhtem Allergierisiko teil, die in den ersten vier Lebensmonaten entweder gestillt wurden oder eine von vier Studiennahrungen erhalten hatten:

a) HA-Säuglingsnahrung mit moderat aufgespaltenem Molkenprotein (Nestlé Beba-HA)
b) HA-Säuglingsnahrung mit stark aufgespaltenem Molkenprotein (HIPP-HA, damals Nutrilon Pepti, in dieser Form nicht mehr verfügbar)
c) Therapeutische Säuglingsnahrung auf Kaseinbasis (Nutramigen)
d) Standard-Säuglingsmilch auf Kuhmilchbasis (Nutrilon Premium)

Eine deutliche (statistisch bedeutsame) Risikoreduktion wurde auch mit therapeutischer Kaseinnahrung4c erzielt. Diese ist für Säuglinge mit bestehender Allergie gegen Molkenprotein gedacht und nur in Apotheken erhältlich.

Viel hilft nicht immer viel

Für HA‑Nahrung mit stark aufgespaltenem Milcheiweiß (extensives Molkenhydrolysat) hingegen lässt sich nach den Studienergebnissen keine statistisch bedeutsame vorbeugende Wirkung belegen. Das bedeutet: Die Bezeichnung „hypoallergen“ allein ist kein verlässlicher Hinweis auf eine allergievorbeugende Wirkung. Vielmehr muss dies für jede Nahrung in seriösen wissenschaftlichen Studien belegt werden. Eine Orientierungshilfe bieten entsprechende Packungsaufdrucke.

Welche Babys brauchen überhaupt HA-Nahrung?

Viele Babys kommen aufgrund einer erblichen Vorbelastung mit einem erhöhten Allergierisiko auf die Welt. Eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen ist es, das Kind in den ersten vier Lebensmonaten konsequent hypoallergen zu ernähren. Das funktioniert am einfachsten durch Stillen, denn Muttermilch enthält so gut wie kein körperfremdes Eiweiß und kann bei Säuglingen keine Allergie gegen Milcheiweiß auslösen. So praktisch und gesund es auch ist: Nicht für jede Mutter ist Stillen eine Option. In diesem Fall brauchen allergiegefährdete Kinder hypoallergene Säuglingsnahrung (HA) mit Wirksamkeitsnachweis.

Zum Nachlesen

Der Ratgeber „Allergien vorbeugen – gesunde Entwicklung fördern“ fasst die wichtigsten relevanten Erkenntnisse aus der Forschung leicht verständlich zusammen und gibt eine Menge praktischer Ernährungstipps von der Schwangerschaft bis zum Kleinkindalter. Die Broschüre ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet angefordert werden. Bestelladresse: Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn,

www.dha-allergien-vorbeugen.de

03/2021