Müssen Neurodermitiker auf Schokolade verzichten?

Als Bisschen von Tafel oder Riegel, in Ei-Form, als Keks, Kuchen, Praline, Pudding, Creme, heiß oder eiskalt: Schokolade gelangt in vielfältiger Form in Mund und Magen. Der süße Reiz für die Geschmacksnerven und mitunter  Balsam für die Seele kann aber für Neurodermitiker unangenehme Folgen haben. Allergische Reaktionen können ausgelöst werden, das Hautbild kann sich verschlechtern. 

Nach den Vorgaben der seit Dezember 2014 geltenden EU-Verordnung 1169/2011 (Anhang II) sind die 14 häufigsten Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten im Zutatenverzeichnis eindeutig hervorzuheben. Ist kein Verzeichnis erforderlich, müssen die Stoffe oder Erzeugnisse unmissverständlich beschriftet werden, zum Beispiel mit „ …enthält Erdnüsse".

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden sieben Lebensmittelallergene ermittelt, die für fast etwa 90 Prozent aller positiv ausfallenden Provokationstests verantwortlich waren. Durch diese Nahrungsmittel ließen sich beispielsweise typische juckende Hautausschläge hervorrufen, während ein Verzicht darauf eine Besserung zur Folge hatte.

Die sieben häufigsten Nahrungsmittelallergene in Europa sind:

  • Kuhmilch
  • Baumnüsse (Haselnuss, Walnuss)
  • Sojabohne
  • Hühnerei
  • Erdnuss
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Weizen

Daher ist auch nicht der in Schokolade enthaltene Kakao der Problemauslöser: Andere Inhaltsstoffe wie Kuhmilch-Eiweiß, Gluten, Ei, Nüsse und Soja können Allergien und/oder Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen. 

Die Nussallergie ist dabei weit verbreitet: Schon kleinste Spuren von Nüssen in einer eigentlich nussfreien Schokolade können bei Allergikern schwere Symptome auslösen, daher enthalten viele Produkte den Hinweis  „Kann Spuren von Nüssen enthalten“ zu lesen. Dieser Hinweis bedeutet, dass laut Rezeptur keine Nüsse enthalten sind, auf Grund der Produktionsbedingungen jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, dass Restbestandteile des Allergens unbeabsichtigt in das Produkt gelangen.

Die Allergie-Symptome treten zumeist direkt nach dem Verzehr des Nahrungsmittels mit dem entsprechenden Inhaltsstoff auf.  So können folgende Symptome beobachtet werden:

  • Hautveränderungen, Hautrötungen, Nesselsucht (Urtikaria), bei Neurodermitikern kann es auch zu einer Verschlechterung der Hautsymptome kommen.
  • Jucken in Mund und Rachen
  • Unwohlsein, Magenbeschwerden, Erbrechen
  • Durchfall (Diarrhö), Bauchkrämpfe, Darmprobleme
  • In schweren Fällen: Atemnot oder sogar ein Allergieschock (anaphylaktischer Schock)

Wenn süßer Genuss unangenehme Folgen hat

Der Genuss von Schokolade kann aber auch unabhängig von einem allergischen Geschehen Neurodermitisschübe auslösen. Dafür verantwortlich sind sogenannte pseudoallergische Reaktionen, unter anderem gegen Konservierungsmittel und Farbstoffe. Auch natürliche und künstliche Aromastoffe, Geschmacksverstärker, Tyramin und Zitronensäure lösen bei Pseudoallergikern nachweislich Hautrötungen und Juckreiz aus.

Von einer pseudo(=scheinbar)-allergischen Reaktion spricht man, wenn gleiche oder ähnliche Symptome wie bei einer Allergie auftreten, jedoch keine Allergie-spezifischen Antikörper (Typ IgE) im Blut nachgewiesen werden. Das Immunsystem ist in anderer Form beteiligt, als dies von Allergien bekannt ist.

Kompletter Verzicht auf Schokolade muss nicht sein

Erwachsenen Neurodermitikern und Eltern von Kindern mit Neurodermitis wird empfohlen, ein Ernährungstagebuch zu führen und Veränderungen des Hautbildes zu dokumentieren. Zusammen mit dem behandelnden Hautarzt kann dann entschieden werden, welche Nahrungsmittel vermieden werden sollten. Kindern grundsätzlich den Griff zur schokoladigen Naschereien zu verbieten, führt meist zur Frustration beim Nachwuchs. Oder Kinder finden eigene Wege, wie sie ohne Wissen der Eltern an Schokolade gelangen. 

Besser ist, Schokolade ohne Allergene und Pseudoallergene zu kaufen. Dann dürfen auch Kinder mit Neurodermitis unbesorgt naschen. Für Lebensmittelallergiker gibt es auch Schokolade auf Reisbasis oder aus Schafsmilch. Mittlerweile gibt es auch viele kleine Schokoladenmanufakturen, die über Inhaltsstoffe und Produktionsprozess Auskunft geben können und auch für Allergiker Produkte bereithalten. 

Hilfreich ist auch die Suche nach Rezepten für Süßigkeiten ohne die allergieauslösenden Inhaltsstoffe und die individuelle Zubereitung. 

Quellen:

https://www.allergieinformationsdienst.de/immunsystem-allergie/allergene/nahrungsmittel.html

https://www.allergo-natur.de/duerfen-kinder-mit-neurodermitis-schokolade-essen/

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Saccharose

https://food.r-biopharm.com/de/analyten/lebensmittelallergene/soja/

https://allergiefreie-allergiker.de/allergien/schokoladenallergie/

https://gesundheit-heute.ch/wp-content/uploads/2018/03/aha_ahashop_Allergien_einfach_erklaert.pdf

https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-unvertraeglichkeit/histamin-unvertraeglichkeit/

http://www.allergiezentrum.org/de/allergien/pseudoallergien

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