Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis*  (atopisches Ekzem / atopische Dermatitis) ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung und zählt zu den drei Erkrankungen des atopischen Formenkreises, zu dem auch Asthma bronchiale und Heuschnupfen (allergische Rhinitis) gehörten. Häufig treten diese Krankheiten gleichzeitig oder im Laufe des Lebens nacheinander auf. Die  chronische, nervlich bedingte Krankheit Neurodermitis  hat einige „Fachnamen“: So sprechen Mediziner auch von atopischer** Dermatitis, atopischem Ekzem*** oder endogenem Ekzem.

* Neuro steht für Nerven,  Dermitis = Hautentzündung. / **Atopia (griech.) bedeutet "Ortlosigkeit" oder "nicht zuzuordnen" /  ***Ekzema (griech.) = Aufgegangenes.

Ursachen

Die genaue Ursache ist bis heute nicht erforscht. Nachgewiesen ist, dass die Veranlagung genetisch vererbt wird. Durch einen genetischen Enzym-Defekt kommt es zu einer Stoffwechselstörung, die zu einem Mangel an essentiellen Fettsäuren führt. Durch die Schwächung der natürlichen Schutzbarriere können hautreizende Substanzen und Allergene leichter in die Haut eindringen. 

Mehr zum Thema Hautveränderung.


Weiterhin wird die sogenannte Hygiene-Hypothese als Ursache diskutiert, wonach Säuglinge insbesondere in Großstädten erst später und in wesentlich geringerem Umfang mit Krankheitserregern in Kontakt kommen als Kinder, die in ländlichen Regionen mit Nähe zu Tieren und Wildpflanzen aufwachsen. Das Immunsystem der Stadtkinder erkennt Krankheitserreger als fremd und löst eine Reaktionskette aus, die zur Sensibilisierung führt und Krankheitssymptome auslöst.

Auslöser / Provokationsfaktoren

Bestimmte individuelle Faktoren wie zum Beispiel Stress, Klimaveränderungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Neurodermitisschübe auslösen. Diese Provokationsfaktoren gilt es herauszufinden - und den persönlichen Lebensstil darauf einzustellen.

Ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Anzahl der Schübe zu reduzieren, ist neben der kontinuierlichen Basispflege die Kenntnis  individueller Provokationsfaktoren. Darunter versteht man bestimmte Faktoren, die den Krankheitsverlauf verschlechtern können. Diesen Kontakt mit spezifischen Allergen gilt es  - durch individuelle Strategien (Allergenkarenz) - so gut es geht vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Der Stellenwert von Provokationsfaktoren kann je nach Person sehr unterschiedlich sein. Somit kann eine Karenz bei dem einen Patienten zu einer erheblichen Verbesserung des Krankheitsverlaufes führen, während ein anderer keine Änderung bemerkt. 


Provokationsfaktoren erkennen

Zunächst selbst beobachten, welchen Effekt ein bestimmter Reiz, z.B. ein „Kratz-Pullover“, hat oder ob der Krankheitsverlauf in der Pollen-Saison schlimmer wird. Genauere Erkenntnisse bringen aber nur spezielle Hauttests. Experten empfehlen eine individuelle Allergiediagnostit mit sogenannten Pricktestungen und/oder der Bestimmung von spezifischen IgE Antikörpern nach entsprechender Anamnese. Die klinische Relevanz der Sensibilisierenden sollte im Einzelfall mittels Karenz- und/oder Provokationstestungen individuell ermittelt werden.

Mehr Informationen zu individuellen Vermeidungsstrategien (Allergenkarenz).

Experten-Information

Der Verlauf der Neurodermitis verändert sich mit dem Lebensalter. Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, sie verschwindet jedoch bei ca. 50 Prozent aller betroffenen Babys innerhalb der ersten zwei Lebensjahre. Die Schübe können allerdings später, in der Pubertät oder im späteren Erwachsenenalter, wieder auftauchen.
Die Symptome klingen bei vielen Patienten mit dem Ende der Pubertät ab und verschwinden bis Ende das 30. Lebensjahres ganz. Die Haut bleibt allerdings empfindlich, trocken und pflegeintensiv.

Bei vielen Patienten, bei denen die Neurodermitis auf genetische Disposition, d.h. Vererbung, zurückzuführen ist, ist sie nach dem heutigen medizinischen Wissensstand nicht heilbar.

Die atopische Veranlagung lässt sich zwar nicht kurieren, allerdings sind der Umgang mit den Auslösefaktoren und auch die Entzündungen der Haut beeinflussbar.  Entscheidend für einen Erfolg der Behandlung ist, dass Eltern und Kinder die Krankheit verstehen und bei der Behandlung mitwirken.

Symptome

Etliche Stellen des Körpers können mehr oder minder großflächig von Neurodermitis betroffen sein, u.a. Rücken, Hände, Brust, Bauch, Hals, Gelenkbeugen, Gesicht, Augenlider, Kopfhaut, Füße.  Zum Erscheinungsbild zählen Entzündungen, Feuchtigkeitsverlust, trockene raue Haut verbunden mit einem meist starken Juckreiz. Die Krankheit tritt in Schüben von unterschiedlicher Dauer und Stärke auf – häufig ohne direkt erkennbaren Grund. Die Schübe werden häufig von Unruhe, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und anderen psychischen Folgeerscheinungen begleitet.

Wenn die Hautbarriere krankt

Im Normalfall sorgt die Hautbarriere für Widerstandskraft, schützt vor Reizungen und verleiht der Haut ein gesundes Aussehen. Die äußere Hautschicht besteht aus geschichteten Hornzellen und wird deshalb Hornschicht genannt. Ihre Stabilität ist von besonderer Bedeutung, da sie die eigentliche Barriere gegen die Umwelt bildet. Die Hornzellen werden durch sogenannte Hornfette (epidermale Lipide) zusammengehalten. Je dichter die Schicht, desto widerstandsfähiger ist die Haut. Eine verletzte Hornschicht-Barriere wird durchlässig, die Haut dadurch angreifbar.

Eine stetige Verschlechterung des Hautbildes mit zunehmenden Einbußen der Schutzfunktion sind oft die negativen Folgen. Fehlen Fett und Feuchtigkeit, so wird die äußerste Hautschicht zunehmend durchlässiger und verliert immer mehr ihre Schutzfunktion.

Mehr Informationen zur gestörten Hautbarriere

Neurodermitis Schweregrade

Grundlegend für die Behandlung von Neurodermitis und Juckreiz ist die Einteilung in Schweregrade.


Leichte Neurodermitis
Eine vorübergehende Rötung der betroffenen Körperstellen zeigt die leichte Form der Neurodermitis an. Die Haut ist extrem trocken, leicht reizbar und bildet Schuppen.

Mittelschwere Neurodermitis
Die mittelschwere Neurodermitis diagnostiziert man bei stärkeren Rötungen und ausgeprägtem Juckreiz. Es sind Papeln vorhanden, dabei handelt es sich um knotige, rötliche Verdickungen der Haut, ähnlich einem allergischen Ausschlag.

Schwere Neurodermitis
Dies ist die schwerste Form von Neurodermitis mit sehr stark gereizten, hochroten und nässenden Ekzemen, die unter Krustenbildung abheilen. Die Haut zeigt durch den heftigen Juckreiz vielfach blutige Kratzspuren (Exkoriationen). Zahlreiche Papeln und Pusteln finden sich meist zusätzlich auf der Haut.

 

Dermatologen unterteilen anhand der klinischen Symptomatik die Neurodermitis in drei Schweregrade. Mit Hilfe des sogenannten SCORAD-Index wird durch ein spezifisches Punktesystem, welches sowohl die Ausbreitung als auch die Intensität der Krankheitssymptome erfasst, der Schweregrad der Erkrankung objektiviert. (SCORAD - Score of Atopic Dermatitis).

Typische Stellen

Besonders die Armbeugen, die Kniekehlen sowie die Hals- und Gesichtspartie sind anfällig für Juckreiz und Ekzeme. Abhängig vom Lebensalter treten Neurodermitis-Symptome meist an unterschiedlichen Körperstellen auf. Neurodermitis beim Kind zeigt sich oft anders ausgeprägt als beim Säugling. Bei Jugendlichen und Erwachsenen können die Symptome am ganzen Körper auftreten.

Komplikationen

Die Besiedelung der empfindlichen und oft rissigen Haut mit Bakterien (z.B.Staphylococcus aureus) oder Pilzen (z.B Malassezia, ein Hefepilz) führt zu einer  Verschlechterung des Hautbildes.  Durch den Juckreiz  wird gekratzt. Es ist vor allem das Kratzen, das zu weiteren Schwierigkeiten führt. Durch starkes Kratzen, vor allem nachts, entstehen wunde, teils blutiggekratzte Hautareale, die zum Nässen und zu Entzündungen neigen. Hier gilt es, in erster Linie die akuten Herde auszuheilen und weiteres Kratzen zu vermeiden, d.h. den Juck-Kratz-Kreislauf zu unterbinden.

Warum Basispflege der Haut sehr wichtig ist

Regelmäßige intensive Hautpflege durch Eincremen kann helfen, den Hautzustand zu stabilisieren und die Haut zu schützen. Wichtig ist, die Hautbarriere durch eine langfristige Basistherapie zu stärken. Zur Basistherapie gehört eine sanfte Hautreinigung zusammen mit geeigneter Pflege z.B. mit Neurodermitis Creme oder Hautlotionen.
Bei Neurodermitis ist die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört. Dadurch  können Allergene und Reizstoffe eindringen. Um die Schutzschicht zu reparieren und eine extreme Hauttrockenheit zu lindern, ist  eine konsequente und regelmäßige Hautpflege unentbehrlich. Mehr Informationen zur Basispflege.

Verbände und Selbsthilfegruppen

In Deutschland gibt es mittlerweile zahlreiche Verbände und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung und einen Erfahrungenaustausch mit anderen Betroffenen anbieten. Einige der größten Verbände sind hier aufgelistet. Dort - oder bei Ihrem Hautarzt - erhalten Sie Informationen zu lokalen Selbsthilfegruppen.

Video: Neurodermitis - Was ist das?

Eucerin-Hautexpertin Dr. Zorica Jovanovic erklärt:

Neurodermitis im Frühjahr

Pollenflug im Frühjahr ist vielen Neurodermitikern ein Graus. Was dagegen tun?

 

Dürfen Kinder mit Neurodermitis auch Schokolade naschen?

Kindern grundsätzlich den Griff zur schokoladigen Naschereien zu verbieten, führt meist zur Frustration beim Nachwuchs.

Oder Kinder finden eigene Wege, wie sie ohne Wissen der Eltern an Schokolade gelangen.

Besser ist, Schokolade ohne Allergene und Pseudoallergene zu kaufen.

Dann dürfen auch Kinder mit Neurodermitis unbesorgt naschen.

 

Neurodermitis + Impfungen

Experten empfehlen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Neurodermitis regulär zu impfen. Bei akuter Verschlechterung des Hautzustandes wird jedoch geraten, Impfungen bis zur Stabilisierung des Hautbefundes zu verschieben.

Neurodermitis + Sport

Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn auch Neurodermitiker Sport treiben. Allerdings sollten einige Dinge beachtet werden, damit sich sportliche Betätigung nicht negativ auf den Hautzustand auswirkt.

Lese-Empfehlung

Jucken ade – Richtig essen bei Neurodermitis

Was tun gegen Hausstaubmilben?

Der Kot von Hausstaubmilben ist eine der häufigsten Allergie auslösenden Substanzen:

Was vor der Wahl eines Haustieres bedacht werden sollte.

Experten raten meist von Haustieren wie Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen ab, falls auch nur ein Familienmitglied bereits von einer Allergie oder Neurodermitis betroffen ist oder war. Daher sollten sich betroffene Singles, Paare und Familien von einem Hautarzt/Allergologen beraten lassen, bevor sie sich ein Tier anschaffen.

Körperreinigung bei Neurodermitis

 Für Neurodermitis-Patienten ist die korrekte Hautreinigung bei der täglichen Körperpflege ein wesentliches Therapieelement. Fehler bei der Hautreinigung können den Oberflächenzustand des größten menschlichen Organs verschlechtern oder sogar erneute Neurodermitisschübe auslösen. Sanfte Behandlung und die richtige Wasserqualität helfen dagegen bei Hautirritationen.