Neurodermitis + Sport

Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn auch Neurodermitiker Sport treiben. Allerdings sollten einige Dinge beachtet werden, damit sich sportliche Betätigung nicht negativ auf den Hautzustand auswirkt.
Denn ein Grundproblem von Neurodermitikern ist ihre trockene und angegriffene Haut, die weniger Fett produziert und weniger Feuchtigkeit speichern kann als gesunde Haut und deswegen schneller austrocknet und rissig wird.

Warum regelmäßiger Sport nicht nur der Haut gut tut:

  • Der Zustand der Haut kann sich verbessern. Denn durch Bewegung werden Durchblutung, Stoffwechsel und Versorgung der Hautzellen mit Nährstoffen angeregt. Die Haut kann so ihre natürliche Schutzbarriere rascher erneuern.
  • Insbesondere Ausdauersport stärkt das Herz-Kreislauf-System.
  • Das Immunsystem wird gestärkt und bildet eine stabilere Barriere gegen äußere Einflüsse und generelle Allergieneigung: Der Körper wird weniger anfällig für Infekte, Neurodermitisschübe können sich verringern.
  • „Glückshormone“ (Endorphine) werden ausgeschüttet, steigern das seelische Wohlbefinden und verringern Stress, wodurch Juckreiz-Schübe abnehmen können.
  • Blutfett- und Blutzuckerspiegel werden positiv reguliert.
  • Sport erleichtert es, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.
  • Bewegung bringt Spaß, insbesondere Kinder „vergessen“ beim Sport ihre Neurodermitis-Sorgen.

 

Was zu beachten ist:

  • Durchs Schwitzen verursachten Flüssigkeitsverlust ausgleichen: Wer sich körperlich anstrengt, sollte regelmäßig und viel trinken – am besten Tee und Mineralwasser, um die ausgeschwitzten Mineralstoffe zu ersetzen.
  • Atmungsaktive Kleidung tragen: Sonst kann sich Hitze stauen, was den Juckreiz verstärkt. Wird Schweiß nicht abtransportiert, bleiben Salze auf der Haut und können sie reizen.
  • Nicht zu empfehlen sind eng anliegende Baumwoll-Textilien, weil sie sich mit Schweiß vollsaugen und dann auf der Haut kleben.
  • Bei Ausdauersport im Freien im Frühling und Sommer Sonnenschutztextilien tragen.
  • Unterwäsche auf links anziehen, um eventuelles Scheuern der Nähte auf der empfindlichen Haut zu vermeiden.
  • Schilder (Waschhinweise) heraustrennen.
  • Ob winzige Silberfäden (Nanopartikel) in der Sportkleidung für Neurodermitiker geeignet sind, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Befürworter empfehlen Funktionskleidung mit Silberfasern, da diese entzündungshemmend sein und antibakteriell wirken sollen. Kritiker meinen dagegen, dass Silberfasern sogar schädlich sein können, da sie möglicherweise die Haut reizen und auf der Haut siedelnde Bakterien resistent gegen Antibiotika werden können.
  • Nach dem Sport nicht zu lange und zu heiß duschen, sonst trocknet die Haut zusätzlich aus, was die Neurodermitis verschlimmern kann. Seifenfreie und pH-neutrale Waschgels benutzen.
  • Bei einem akuten Entzündungsschub besser auf sportliche Anstrengung verzichten. Rat vom Haut- oder Hausarzt einholen.

    Pollenallergiker sollten Sportarten zu bestimmten Zeiten vermeiden, bei denen sie einer hohen Pollenbelastung ausgesetzte sein könnten, z.B. Joggen durch Wald und Wiesen im Frühling. Gleiches gilt für Sportarten, bei denen Neurodermitiker sie ständig einem allergieauslösenden Stoff ausgesetzt sind. Chlor beim Schwimmen kann zu allergischen Reaktionen führen und die Haut zusätzlich austrocknen.
    Asthmatiker kommen mit feuchter, warmer Luft besser zurecht als mit kalter und trockener Luft.
    Bei Sportarten wie Fussball kann Kontakt mit Rasen oder Kunstrasen Hautstellen verletzten und verunreinigen. Die ohnehin gestörte Haut-Lipid-Barriere des Neurodermitikers lässt so oftmals Fremdkörper leichter in die Haut eindringen, was zu Juckreiz und Ausschlag führen kann. Lieber Sportarten wählen, die hygienischer sind, z.B. Radfahren oder Fitness.
    Bei Neurodermitikern kann starkes Schwitzen zu einem Problem werden. Trockene und sensible Haut reagiert leicht empfindlich. Die im Schweiß enthaltenen Salze reizen die Haut zusätzlich und lösen häufig Juckreiz oder Entzündungen aus.
    Bei manchen Neurodermitikern kann die Schweißbildung verringert sein, damit vermindert sich das lebenswichtige Abkühlen durch Schweiß. Der so entstehende Wärmestau kann zu vermehrten Juckreiz führen.

Unmittelbar nach dem Sport duschen, um den Schweißfilm zu entfernen. Allerdings trocknen Seifen und Gels mit Tensiden die Neurodermitis-Haut weiter aus, zerstören den ohnehin schon strapazierten Säureschutzmantel und führen zu Hautirritationen. Bei Wassertemperaturen über 32°C werden die wichtigen hauteigenen Fette (Lipide) fortgewaschen.
Ein Lipid-Verlust kann durch Reinigungsprodukte mit einem hohen Anteil an rückfettenden Lipiden ausgeglichen werden.
Parfümierte Produkte vermeiden.
Keine Massagehandschuhe oder Bürsten verwenden, dies reizt nur zusätzlich die Haut. Kurz mit einem weichen Handtuch abtupfen.


Was im Notfall zu tun und zu lassen ist:

Allergie-Notfälle - ausgelöst durch Insektenstiche oder Pollen - sind besonders problematisch, wenn der Betroffene allein in der Natur unterwegs ist. Allergische Reaktionen wie Schwächegefühl, Atemnot und Gesichtsschwellung sollten sofort behandelt werden:  Sportlichen Aktivität abbrechen und Notfallmedikamente einnehmen. Bei lebensbedrohlichen Allergien besteht das Notfallset aus Adrenalin, Glukokortikoid und Antihistaminikum.