Juckreiz bei Neurodermitis

Juckreiz kann viele verschieden Ursachen haben. Umstellungen in der Ernährung, oder Veränderungen im persönlichen Umfeld können genauso Auslösefaktoren darstellen, wie neue Reinigungsmittel beim Duschen.

Oberstes Gebot bei juckender Haut: Finger weg – nicht kratzen. Nun ist dies meistens leichter gesagt als getan, denn Juckreiz führt oft beinahe zwangsläufig zu einem unkontrollierbaren Kratzdrang. Jeder, der schon mal unter stark juckender Haut gelitten hat, kann dies nur bestätigen. Gerade bei Kindern kann es daher ganz schwer sein, das Kratzen zu unterbinden. Verbote und Ermahnungen sind sinnlos und können das Problem noch verschärfen.

Neurodermitis Schweregrade

Grundlegend für die Behandlung von Neurodermitis und Juckreiz ist die Einteilung in Schweregrade.
Dermatologen unterteilen anhand der klinischen Symptomatik die Neurodermitis in drei Schweregrade. Mit Hilfe des sogenannten SCORAD-Index wird durch ein spezifisches Punktesystem, welches sowohl die Ausbreitung als auch die Intensität der Krankheitssymptome erfasst, der Schweregrad der Erkrankung objektiviert. (SCORAD - Score of Atopic Dermatitis).


1. Leichte Neurodermitis

Eine vorübergehendenRötung der betroffenen Körperstellen zeigt die leichte Form der Neurodermitis an. Die Haut ist extrem trocken, leicht reizbar und bildet Schuppen.


2. Mittelschwere Neurodermitis

Die mittelschwere Neurodermitis diagnostiziert man bei stärkeren Rötungen und ausgeprägtem Juckreiz. Es sind Papeln vorhanden, dabei handelt es sich um knotige, rötliche Verdickungen der Haut, ähnlich einem allergischen Ausschlag.


3. Schwere Neurodermitis

Dies ist die schwerste Form von Neurodermitis mit sehr stark gereizten, hochroten und nässenden Ekzemen, die unter Krustenbildung abheilen. Die Haut zeigt durch den heftigen Juckreiz vielfach blutige Kratzspuren (Exkoriationen).
Zahlreiche Papeln und Pusteln finden sich meist zusätzlich auf der Haut.

Juckreiz in der Nacht

Typischerweise ist der Juckreiz bei Neurodermitis abends und in den ersten Nachtstunden besonders stark. Sorgen Sie für einen ruhigen Tagesablauf, und vermeiden Sie unnötige psychische Belastungen. Lassen Sie den Tag ruhig ausklingen. Halten Sie das Schlafzimmer Ihres Kindes eher kühl, da Wärme Juckreiz provoziert und die Haut durch Schwitzen zusätzlich austrocknet.

Kühlen gegen Hautjucken

Als Soforthilfe bei plötzlichem Juckreiz wird Kühlung als wohltuend empfunden wie zB. Kühlpackungen aus dem Kühlfach, feuchte Umschläge, eine kurze, kühle Dusche oder auch ein kühlendes Bad mit einem polidocanolhaltigen oder gerbenden Zusatz. Bewährt hat sich auch, eine mit frischem Wasser und einigen Eiswürfeln gefüllte Blumenwasserspritze neben das Bett zu stellen und die juckende Haut bei Bedarf mit dem Sprühwasser abzukühlen. Auch das Auftragen einer gekühlten Creme und das anschließende Einwickeln mit dauerelastischen Schlauchverbänden (Tubifast) kann helfen. Zusätzlich erschwert diese Methode das Kratzen. Feuchte Umschläge zB. mit Leitungswasser oder Schwarztee wirken ebenfalls juckreizlindernd.

Juckreiz - Ablenkungstaktiken

Die Juckreizschwelle der Neurodermitishaut ist jedenfalls deutlich herabgesetzt, schon leichte mechanische und chemische Reize sowie psychische Spannungen erzeugen Juckreiz, der einen Kratzreflex auslöst.

Bereits beim ersten Auftreten des Juckreizes ist es sinnvoll eine Beschäftigung für Ihr Kind suchen, die vom Juckreiz ablenkt, zum Beispiel Aktivitäten wie Spielen, Sport, Basteln, Kochen oder Musizieren. Tadel, Verbote oder Bestrafung aufgrund des Kratzens sind falsch! Ein Verbot bewirkt jedoch in der Regel das Gegenteil.

Hier können so genannte Kratzalternativen helfen, welche gemeinsam mit dem Kind geübt werden können: Drücken, streicheln oder kneifen ist hautfreundlicher als kratzen. Manipulation der gesunden Haut ist ebenfalls ein Trick, der den Teufelskreis Jucken-Kratzen-Jucken verhindern kann. Bei Juckreiz soll nicht das juckende Ekzem, sondern die gesunde Haut daneben gekratzt oder besser gekniffen werden. Achten Sie dabei auf frisch gewaschene Hände und kurze Fingernägel, damit keine zusätzlichen Reizungen und Infektionen auftreten.

Ersatzweises Kratzen dient dazu, das Kratzbedürfnis ohne Schaden für die Haut zu stillen. Ihr Kind kann zum Beispiel einen Teddy oder ein mit Waschleder bezogenes Klötzchen kratzen.

Bei leichten Formen von Juckreiz sind autogenes Training oder andere Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung hilfreich, die auch von Kindern schon ab etwa dem dritten Lebensjahr erlernbar sind.

Basispflege der Neurodermitis-Haut

Grundpfeiler jeder Neurodermitis-Therapie ist eine konsequente Basispflege. Der Haut sollten regelmäßig feuchtigkeitsspendende Substanzen und Lipide zugeführt werden, denn je trockener die Haut ist, um so eher neigt sie auch zu Juckreiz. Dazu geeignet sind Produkte mit Omega Fettsäuren, die z.B. in Nachtkerzensamenöl oder Traubenkernöl enthalten sind. Diese enthalten hautverwandte Lipide, durch die die epidermale Barriere stabilisiert und regeneriert wird. Alle verwendeten Produkte sollten frei von Reiz- und Duftstoffen sein, um die Haut nicht zusätzlich zu irritieren.
Mehr zur Basispflege bei Neurodermitis lesen Sie hier.

Juckreiz im Schub

Bei leichter und mittelschwerer Neurodermitis können spezielle Soforthilfe-Produkte mit juckreizlindernden Substanzen Hilfe bieten. Sie unterbrechen den fatalen Kreislauf aus Juckreiz und Kratzen, und können auf diese Weise zu einer Beruhigung der Haut beitragen. So verschaffen Sie Ihrer Haut eine wohltuende Verschnaufpause.

Lesen Sie mehr über Produkte gegen akuten Juckreiz bei Neurodermitis.

Für die plötzlichen Juckreizattacken gibt es von Eucerin® ein Akutspray, das für den Krisenfall gedacht ist. Die Anti-Juckreiz-Wirkformel als Mikroemulsionsspray garantiert eine sehr feine Wirkstoffverteilung. Auch wird dank des Sprays ein einreiben überflüssig und die Haut nicht zusätzlich mechanisch gereizt.

Anwendungshinweis:
Die Anwendung wird für Kinder ab 3 Jahren und bei Erwachsenen ergänzend zur Körperpflege empfohlen.

Beim Duschen sollten Sie generell darauf achten, dass nicht zu lange und nicht zu warm geduscht wird, sonst trocknet die Haut zusätzlich aus. Wichtig ist auch, dass man milde und intensiv rückfettende Reinigungsmittel verwendet, die die Lipidschicht stärken. Bewährt haben sich Tensid-Kombinationen , sogenannte Duschöle. Parfümierte Seifen und Duschgele sind nicht geeignet. Wichtig ist auch die Pflege mit Körperlotions nach dem Duschen.

Salben und Cremes mit Kortison

Bei starkem Juckreiz und zunehmendem Schweregrad der Neurodermitis kommen zusätzlich auch Kortisonpräparate zum Einsatz, mit deren Hilfe der akute Ekzemschub meist schnell unter Kontrolle gebracht werden kann. Wichtig ist es, das Kortison nur zeitlich befristet anzuwenden und die Therapie nicht abrupt, sondern langsam ausschleichend im Wechsel mit der normalerweise verwendeten Basispflege zu beenden, um Rückfälle zu vermeiden. In der Regel wird der Dermatologe nebenwirkungsarme, schwach‐wirksame Kortikoide der Klassen I oder II verordnen, die gut vertragen werden.