Bei Neurodermitis impfen? Was Experten empfehlen:

Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich. Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen werden nur in seltenen Fällen beobachtet. Unmittelbares Ziel der Impfung ist es, Geimpfte vor einer ansteckenden Krankheit zu schützen.
Auskunft und Rat geben Haus- bzw. Hautärzte.

Die Internetseiten des Robert Koch-Instituts informieren zu vielen Aspekten dieses wichtigen Themas:

  • Erkenntnisse der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Institutes zu einzelnen Impfungen für Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene.
  • Bedeutung von Impfungen: Veröffentlichungen zu Nutzen und Risiken.
  • Impfstatus: Daten und Erläuterungen zu den Impfquoten in Deutschland.
  • Präventionsprogramme

Robert Koch-Institut
Das Institut ist eine obere Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit und verfolgt keine kommerziellen Interessen. Die STIKO ist ein unabhängiges Expertengremium, dessen Tätigkeit von der Geschäftsstelle im Fachgebiet Impfprävention des Robert Koch-Instituts koordiniert und beispielsweise durch systematische Analysen der Fachliteratur unterstützt wird. Ziel ist es, die Impfempfehlungen an neue Impfstoffentwicklungen und Erkenntnisse aus der Forschung optimal anpassen zu können. Aufgabe der STIKO ist also, auf wissenschaftlicher Grundlage nationale Empfehlungen für die notwendigen Schutzimpfungen in Deutschland zu erarbeiten.

 

Was laut Neurodermitis-Leitlinie zu tun und zu lassen ist:

Die Neurodermitis-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gibt Antworten u.a. auf folgende Fragen:

1. Beeinflusst die Impfung die Entstehung und den Verlauf des Ekzems?
2. Kann der Impfstoff selbst eine allergische Reaktion auslösen?
3. Welche Besonderheiten sind beim Einsatz von bestimmten Therapeutika der Neurodermitis und geplanten Impfungen zu beachten?

Die Zeit, in der die meisten Patienten an Ekzemen erkranken, fällt mit dem Zeitpunkt der ersten Impfungen zusammen, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass ein kausaler Zusammenhang der Impfung mit dem Beginn einer Neurodermitis besteht. Epidemiologisch lässt sich das nicht bestätigen, aber da im Einzelfall auch Ekzemschübe durch übliche virale Infekte angestoßen werden, kann das auch genauso für Impfungen gelten.
Dies sollte kein Grund sein, notwendige Impfungen lange zu verschieben, jedoch kann es sinnvoll sein, nicht während eines akuten Ekzemschubs zu impfen.
Eine weitere Frage ist eine mögliche allergische Reaktion auf Impfstoffe. Als Allergene kommen sowohl Hilfsstoffe als auch mögliche Reste von Hühnerei in Impfstoffen, die in Hühnerei produziert werden, in Frage. Auch bei Impfstoffen, die auf Hühnerfibroblasten gezüchtet werden, ist eine allergische Reaktion denkbar, aber sicher seltener. Für Atopiker gibt es allenfalls ein marginal erhöhtes Impfreaktionsrisiko. Selbst Hühnereiallergiker können in der Regel ohne Probleme geimpft werden. Bei hohem Reaktionsrisiko wird eine Nachbeobachtungszeit nach der Impfung empfohlen. In den meisten Impfstoffen ist der Hühnereigehalt in den letzten Jahren zurückgegangen. Am höchsten ist er nach wie vor im Grippe- und im Gelbfieberimpfstoff.

Fazit der Leitlinie: Es wird empfohlen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Neurodermitis nach STIKO-Empfehlungen regulär zu impfen. Bei akuter Verschlechterung des Hautzustandes wird jedoch geraten, Impfungen bis zur Stabilisierung des Hautbefundes zu verschieben.

Deutsches Grünes KreuzDeutsches Grünes Kreuz empfiehlt Impfungen

Auch der Verein Deutsches Grünes Kreuz (DGK) empfiehlt Impfungen.
Das DGK ist unabhängig und keiner politischen, religiösen oder kommerziellen Gruppe verpflichtet. Sein satzungsmäßiger Auftrag besteht darin, Menschen, Tiere und Umwelt vor Schäden zu schützen. Die wichtigste Aufgabe des DGK ist, die Bevölkerung zu motivieren, Verantwortung für die eigene Gesundheit wahrzunehmen. Durch Informationen zielt der Verein darauf ab, eine gesunde Lebensweise zu vermitteln. Das DGK hat den Internationalen Impfausweis vor mehr als 50 Jahren gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt.

Auf den DGK-Internetseiten steht zum Thema Neurodermitis + Impfungen:

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde kein Zusammenhang zwischen einer Impfung und der Verschlechterung einer Neurodermitis festgestellt. In Einzelfällen kann sich ein Ekzem nach einer Impfung auch verschlechtern. Dies ist allerdings durch das allgemein phasenhaft, in Schüben, verlaufende Krankheitsbild der Neurodermitis erklärbar.
Ebenso werden nach Impfungen Besserungen der Hautsymptome beobachtet, die aber ebenfalls nur in einem zeitlichen, nicht aber in einem kausalen Zusammenhang mit dem Verlauf der Neurodermitis stehen.

Es muss zudem bedacht werden, dass die Komplikationen einer Erkrankung (Lungenentzündung, Hirnhautentzündung und andere), die durch eine Impfung hätten vermieden werden können, in keinem Verhältnis zu einer nur theoretisch möglichen - dann auch nur kurzzeitigen - Verschlechterung einer Neurodermitis stehen.


Falls sich Ihr Kind gerade in einem schweren Schub befindet, sollte die Impfung verschoben werden. Nur bei Kindern, die auch nach Wochen oder gar Monaten kein verbessertes Hautbild zeigen, sollte man trotzdem im Schub impfen, um einen wirksamen Schutz gegen bedrohliche Erkrankungen zu erreichen.
Gerade Kinder mit Neurodermitis sind bei offenen Hautstellen besonders durch Infektionen mit Hepatitis B gefährdet. Ähnliches gilt auch für eine Tetanusinfektion. Bei schwerer verlaufender Neurodermitis empfiehlt die STIKO eine zusätzliche Impfung gegen Windpocken (Varizellen). Windpocken können bei Kindern und bei Erwachsenen mit Neurodermitis extrem schwer und komplikationsreich verlaufen.

Kinder mit einem erhöhten Risiko, also auch Kinder mit Neurodermitis, sollten zwischen dem vollendeten zweiten Lebensmonat und dem 23. Lebensmonat gegen Pneumokokken, einem in diesem Alter häufigen Erreger von schwer verlaufenden Lungen-, Mittelohr und Hirnhautentzündungen, geimpft werden.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er berät Sie individuell.

Natürlich sollten auch bei Kindern mit Neurodermitis die geltenden Kontraindikationen gegen eine Impfung beachtet werden. Das gilt zum Beispiel bei Fieber von mehr als 38,5 Grad Celsius. Auch sollten akute Erkrankungen erst einmal auskuriert werden und eine Impfung frühestens zwei Wochen nach Abklingen der Beschwerden erfolgen. Ein alltäglicher Infekt stellt jedoch keine Kontraindikation dar.
Auch eine Behandlung mit Cortison, äußerlich oder innerlich in niedrigen Dosen angewandt, stellt kein Hindernis für die empfohlenen Impfungen dar.
Eine Allergie gegen Hühnereiweiß spricht ebenfalls nicht gegen die allgemein von der STIKO empfohlenen Impfungen (Ausnahme: Gelbfieber- und Grippeimpfung).

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob nicht Infektionen gut oder sogar notwendig für das Kind sind und eine Neurodermitis verhindern können. Keine der durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen konnte zeigen, dass beispielsweise Kinder ohne Masernimpfung, die an Masern erkrankten, seltener an Neurodermitis leiden. Es gibt also keinen Grund, eine notwendige Impfung nicht durchzuführen.

Weitere Informationen:
  • 2012 Neurodermitis – atopisches Ekzem von Prof. Dr. med Dr. phil. Johannes Ring Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Thieme Verlag

Die Frage ob Patienten mit atopischem Ekzem geimpft werden können muss ganz klar mit ja beantwortet werden. Es sei sogar zu empfehlen bei Neurodermitikern die Impfprogramme besonders sorgfältig einzuhalten, da sie bei aktueller Infektion gefährdeter sind als Normalpersonen. Deshalb wird empfohlen, alle Kinder, auch Risikokinder nach den Impfemfehlungen zu impfen.
Einschränkungen jedoch zum Zeitpunkt der Vakzination: Während eines akuten Ekzemschubes sollten Patienten nicht geimpft werden!

Impfung allergischer Kinder: Da die Risiken impfpräventabler Krankheiten die fraglichen proallergischen Risiken in der Regel bei weitem übertreffen und viele Kinder als atopisch prädisponiert gelten müssen, sollten atopisch prädisponierte Kinder soweit wie möglich in die Routine-Impfprogramme eingeschlossen werden. Ausnahmen bilden Kinder, die zuvor anaphylaktisch auf einen Impfstoff oder seinen Bestandteil reagiert haben.

Zusammenfassend legt die derzeit zur Verfügung stehende Datenlage den Schluss nahe, dass im frühen Kindesalter übliche Schutzimpfungen nicht mit einem erhöhten Risiko für allergische Sensibilisierung oder allergische Erkrankung assoziiert sind. Einzelne Studien sind damit im Einklang, dass Impfungen letztlich auf mildere Art nachgeahmte Infektionen sind und so ganz im Sinne der Hygiene-Hypothese zu einer Allergie-Risiko-Absenkung beitragen könnten.
Bei der Kommunikation mit Eltern von zu impfenden Kindern sollte nicht vergessen werden, dass gegenüber manchen Impfungen für viele ernste Komplikationen wie Enzephalitis ein um etliche Log-Stufen höheres Risiko besteht. Deshalb sollte keinem Kind, auch nicht bei familiärer Atopie-Disposition oder früher Neurodermitis, der reguläre Impfschutz vorenthalten werden.